Am 16. August 1963 trafen sich in der Gaststätte Bäckers-Meyer 32 Wulmstorfer, um einen Schützenverein zu gründen. Der neue Verein sollte nicht nur der Pflege des Schießsportes, sondern vor allen Dingen der Geselligkeit und der Pflege der Kameradschaft dienen. Bei dieser Zusammenkunft wurden zum vorläufigen Vorstand folgende Personen gewählt:
Dieter Brinkmann,
Heinrich Röpke,
Hermann Oelfke.
In den Bauausschuss wurden gewählt:
Hermann Meyer,
Hermann Meinke,
Alfred Gehrke,
Horst Gallmeyer und
Kurt von Hollen
Der Gastwirt Johann Meyer hatte sich bereit erklärt, ein Grundstück für den Bau eines Schießstandes bereitzustellen, so dass unverzüglich mit den Planungen begonnen werden konnte. Hermann Oelfke hatte dafür gesorgt, dass für die Schutzwälle 500 Kubik- meter ausgekofferter Boden verwandt werden konnte, der von der Firma Röpke, Südkampen, kostenlos angeliefert wurde.
In der Gründungsversammlung am 16. Oktober 1963 wurde folgender Vorstand gewählt:
1. Vorsitzender Johann Glander
2. Vorsitzender Dieter Brinkmann
1. Schriftführer Hermann Oelfke
2. Schriftführer Johann Schröder
1. Kassenwart Hermann Behnke
2. Kassenwart Kurt von Hollen
1. Schießwart Heinrich Wacker
2. Schießwart Helmut Falldorf
Zum Schützenhauptmann wurde Hermann Meinke gewählt.
Da bereits im Herbst 1963 mit dem Bau einer Schießanlage begonnen worden war, bei
deren Erstellung die Vereinsmitglieder in uneigennütziger Weise erhebliche Eigenleistungen erbrachten, konnte der Schießstand schon im Mai 1964 fertiggestellt werden. Die Einweihung fand am 7. Mai 1964 statt. Zum Gründungsschützenfest am 20. und 21. Juni 1964, daß mit Heinrich Röpke an der Spitze des Organisationsteams bestens vorbereitet war, erschienen zahlreiche auswärtige Gäste. Zum ersten Wulmstorfer Schützenkönig wurde Horst Büssenschütt proklamiert. Ihm standen als 1. Ritter Ewald Gehrke und als 2. Ritter Heinrich Röpke zur Seite.
Im Uhrzeigersinn von oben links: Adolf Spannacke, Hermann Behnke, Heinrich Röpke, Hellmut Falldorf, Johann Döhling, Kurt v. Hollen, Hinrich Meyer, Horst Gallmeier, Dieter Brinkmann, Johann Meyer, Alfred Gehrke, Heinrich Laue, Gerhard Smolinski, Hermann Oelfke, Heinrich Maass, Helmut Schröder. - Ganz unten: Karl- Hinrich Laue, Dieter Wehrkamp ?
Der Festplatz hatte das Flair einer Budenstadt; neben drei Festzelten gab es ein Karussell, eine Schießbude und Verkaufsstände für Süßigkeiten und Spielsachen. Zum Tanz spielte die Kapelle 004-Combo aus Achim auf, die sich seinerzeit im Raum Achim und in der Wesermarsch großer Beliebtheit erfreute. Dies belegt auch der Tanzbänderverkauf, der mit 408 Stück geradezu sensationell war.
Der zweite Tag des Gründungsschützenfestes war der Tag der Vereine. 32 Vereine wurden von mehreren Spielmannszügen an verschiedenen Sammelpunkten abgeholt. Der lange
Zug der Vereine maß mehr als 500 Meter und bewegte sich mit 30 Fahnen und drei Musikkapellen zunächst zum Ehrenmal und anschließend durchs Dorf zum Festplatz. Nach der Festansprache des 1. Vorsitzenden Johann Glander ergriffen noch eine Reihe anderer Redner für die eingeladenen Vereine das Wort. Neben dem geselligen Treiben auf dem Festplatz fanden im Schießstand ein Pokalschießen, an dem 29 Vereine teilnahmen, und ein Preisschießen, für das Preise im Wert von über 800,-- DM ausgesetzt waren, statt.
Für den Königsball am Sonntag wurden noch einmal 370 Tanzbänder verkauft, so dass sich das ganze Dorf einig war, dass man so etwas in Wulmstorf noch nicht erlebt hatte.
Das auch finanziell erfolgreiche erste Schützenfest ermöglichte dem Verein eine Reihe von Anschaffungen. In der Versammlung am 21. Juli 1964 wurde der Kauf von zwei Luftgewehren (Diana), drei Kleinkalibergewehren (Walther) und einer Luftgewehrzuganlage im Wert von 1.700,-- DM beschlossen. In derselben Versammlung entschied sich der Verein für einen Beitritt zur Pokalvereinigung "Wesermarsch". Das Vereinsleben entwickelte sich rasch weiter und schon am 12. Oktober 1964 war das erste Schießen für die Damenabteilung anberaumt. Erster Vereinsmeister der am 1. November 1964 abgehaltenen Vereinsmeisterschaften war Johann Kehlenbeck. Eine Damenmeisterin wurde erstmals im Jahre 1965 ermittelt, diesen Titel errang Brigitte Wacker.
In den ersten Vereinsjahren bestand eine freundschaftliche Verbundenheit zu der Technischen Hundertschaft der GSA T Nord des Bundesgrenzschutzes Winsen/Luhe, die 1965 anlässlich einer großen Pionierübung eine Ausbildung durchgeführt hatte. Die Führungsspitze und das Geschäftszimmer waren seinerzeit in der Gastwirtschaft Bäckers-Meyer
untergebracht. Freundschaftliche Beziehungen zu Mitgliedern des Schützenvereins führten zu regelmäßigen Schießwettkämpfen mit anschließendem gemütlichen Beisammensein. Das erste Treffen dieser Art fand am 16. April 1966 auf dem Schießstand in Vierhöfen statt. Dies war ein beeindruckendes Erlebnis für die Schützen, die Gelegenheit hatten, mit MG, Pistole und Karabiner zu schießen und sich anschließend bei einer köstlichen Erbsensuppe aus der Gulaschkanone stärken konnten.
Auf der Jahreshauptversammlung im Februar 1965 gab der 1. Vorsitzende Johann Glander bekannt, dass beim Bau des Schießstandes rd. 3.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet worden waren. Die den Mitgliedern hierfür angebotene Beitragsfreiheit nahmen diese nicht in Anspruch und legten damit einen Grundstock für die Vereinsfahne. Weitere wesentliche Beschlüsse dieser Jahreshauptversammlung waren die Gründung einer Damen- und einer Jugendabteilung sowie die Anschaffung von Uniformen. Der Schützenbruder und Schneidermeister Hinrich Meyer hatte angeboten, für die Vereinsmitglieder eine Uniform nach Maß zum Preis von jeweils 125,-- DM zu schneidern.
Das erste Schweineschießen des Vereins fand am 4. und 15. Dezember 1965 statt. Als weitere gesellige Veranstaltung wurde am 19. Februar 1966 der erste "Gemütliche Abend" unter dem Motto "Karneval in Wulmstorf" gefeiert. Ein weiteres großes Ereignis in der Vereinsgeschichte war das Kreisverbandsschützenfest des Kreisverbandes Achim, das im Jahre 1967 in Wulmstorf stattfand. Dieser Veranstaltung folgte am 15. Juni 1968 ein weiterer Höhepunkt, die Fahnenweihe, die in Anwesenheit von mehr als 30 Vereinen sowie dem damaligen Präsidenten des Niedersächsischen Schützenbundes Wilhelm Übel von Herrn Pastor Bechler aus Lunsen vorgenommen wurde.
Die Sportbegeisterung der Schützenbrüder und Schwestern führte 1969 zu dem Beschluss, eine Luftgewehrhalle zu bauen. An diesem Projekt hielt der Verein auch fest, als der Sportbund seine bereits gegebene Zuschusszusage widerrief. Die Finanzierung konnte durch den Schützenverein und den Vereinswirt sichergestellt und der Bau im Jahre 1969 vollendet werden. Ab dem Jahre 1970 übernahm der Schützenverein auch zunehmend Aufgaben, die bisher dem Kriegerverein oblegen hatten. So waren von dieser Zeit an bei Beerdigungen Johann Rabbe, Hermann Oelfke und Rolf Röpke für die Trauermusik zuständig und ab 1972 veranstalteten Kriegerverein und Schützenverein den jährlichen "Gemütlichen Abend" gemeinsam.
Am 23. und 24. Juni 1973 feierte der Schützenverein Wulmstorf sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erschien eine Festzeitschrift, deren Beiträge ganz überwiegend von Heinrich Röpke zusammengestellt wurden. Anlässlich eines Rehgulaschessens im Vereinslokal, für das die Wulmstorfer Jagdpächter, Dr. Kiffmeier, Hans Boy und Werner Asendorf, ein Reh gestiftet hatten, hatten die Vereinsmitglieder Gelegenheit, eine Dia-Vorführung "10 Jahre Schützenverein Wulmstorf" von Kurt von Hollen und Erich Ahrens zu sehen.
1973 gab es auch einen Generationswechsel in der Vereinsführung. Nach zehnjähriger Amtszeit als 1. Vorsitzender trat Johann Glander zurück. Als Dank für seine in den ersten zehn Jahren des Vereins geleistete Arbeit bekam er einen Zinnteller mit einer Gravur des Schießstandes. Einen solchen Zinnteller erhält seither auch jeder Schützenkönig zur Erinnerung, die Schützenkönige der ersten 10 Jahre erhielten dieses Erinnerungsstück nachträglich.
Unter der Führung des neuen 1. Vorsitzenden Horst Büssenschütt konnte die Damenabteilung am 1. Mai 1975 ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Auch die Jugendabteilung, die mittlerweile auf 37 Mitglieder angewachsen war, war bei Schießwettbewerben sehr erfolgreich. Die Jugendabteilung nahm nicht nur an Schießwettbewerben, sondern auch mit großer Begeisterung an Jugendzeltlagern teil.
Anlässlich des Schützenfestes 1976 bekamen die Schützendamen ihre eigene Königskette. Die Freude darüber war durch ausgesprochen schlechtes Wetter etwas getrübt, was letztlich auch die Kasse zu spüren bekam, denn zum ersten Mal wurde ein Schützenfest mit einem Minus abgeschlossen.
Zum 1. Januar 1979 wechselte der Vereinswirt, denn Johann Meyer hatte seine Gaststätte an die Familie Hörenkuhl verpachtet.
Durch die Gründung der von Schützenbruder Hans Boy geleiteten Gesangsgruppe bekam das Vereinsleben neue Impulse. Diese Gesangsgruppe besteht auch heute noch und wird nunmehr von Friedrich Wortmann geleitet.
1984 schied der langjährige 2. Vorsitzende des Vereins, Heinrich Röpke, aus gesundheitlichen Gründen aus dem aktiven Schützendienst aus. Er war viele Jahre lang der große Organisator aller Veranstaltungen gewesen und sein Rückzug bedeutete für den Verein einen großen Verlust.
Im Jahre 1987 gab es erneut einen Wechsel in der Person des Vereinswirts, nachdem
Bäckers Gasthaus an Familie Bormann aus Thedinghausen verkauft worden war. Im selben Jahr wurden die Schießanlagen des Vereins deutlich verbessert, der Luftgewehrstand erhielt sechs neue elektrische Scheibenzuganlagen und die Kleinkaliberanlage wurde durch zwei neue Scheibenzuganlagen ergänzt. Die Kosten hierfür konnten durch Eigenleistungen der Vereinsmitglieder sowie durch Zuschüsse von Seiten der Gemeinde und des Landkreises Verden stark reduziert werden.
Der Schützenverein Wulmstorf zeichnet sich im 40. Jahr seines Bestehens durch ein reges Vereinsleben aus und bietet Schießsportbegeisterten neben einer Vielzahl von geselligen Aktivitäten reichlich Gelegenheit, ihre Treffsicherheit unter Beweis zu stellen.